Das Bergfest ist erreicht

Veröffentlicht: Montag, 05. August 2024 21:39 Geschrieben von Karlheinz Vogel Drucken

Sonntag

Fünf entschiedene Partien in der Vormittagsrunde, davon vier Siege mit Weiß und der einzige Schwarzsieg ging an Ramirez Marin, der jetzt mit 3 aus 3 klar führt und "nur noch" 3,5 Punkte aus den restlichen sechs Partien benötigt. Sein Gegner ging ins Risiko, belohnte sich aber nicht am Ende war es eine wilde Zeitnotschlacht. Ähnlich wie bei IM Das gegen von Hauff: da war zuerst der Meister schon unter einer Minute, am Ende schaffte Hauff zwar noch die Zeitkontrolle, gab aber vor dem Matt im nächsten Zug auf. In den anderen Partien musst Schnepp gegen GM Korneev die Dame geben und bekam zu wenig Material dafür. Ein wildes Handgemenge entwickelte sich zwischen Dr. Braun und Peng. Aber wenn sich in zugegebenermaßen komplexen und scharfen Stellungen die Fehler auf einer Seite häufen, dann gewinnt der Gegner. Auch bei Hirneise - GM Ninov ging es scharf los. Nach dem Damentausch wanderte der schwarze König nach e6, was sich als zu vorwitzig erwies. Trotz einer scheinbaren Festung um ihn herum geriet er in Erstickungsnot, was dann entscheidend Material gekostet hätte.

Nachmittags gab es zum dritten Mal zwei Siege bei drei Remis. Ein scharfer Kampf bei heterogenen Rochaden, Weiß wollte am Königsflügel angreifen, aber kam nicht durch. Schwarz bekam zunächst Dame und zwei Bauern für zwei Türme, die weiße Stellung blieb schwierig und endete in einem verlorenen Bauernendspiel, also 0-1 Hirneise. Schnepp gelang es IM Das zu überspielen und kam zu zwei Mehrbauern, die er bis ins Endspiel nicht mehr hergab. Trotz des Remis ist die Partie Ramirez M. - Ninov sehr lehrreich: Schwarz kommt laut Engi mit -1,5-2 in Vorteil und greift an. Den Vorteil hätte er laut SF Maschine behalten können, wenn er auch die Kameraden vom Damenflügel zum Tanz eingeladen hätte. Die direkte Attacke hätte seinerseits ein weißen Konter erlaubt, nach dem Tausch auf g4 blieb die Partie im Gleichgewicht.

Im Kandidatenturnier ging das erste Brett sehr schnell Remis aus, dafür wurde am zweiten bis kurz vor Wiederanpfiff gerungen. Wartlick drohte mit einer Fesselung eine Figur zu gewinnen, aber das doppelt: es drohte auch das Qualleopfer mit anschließender Springergabel, was Gabriel entging. aber auch da hätte er wegen zu vieler Bauern gegen den Springer noch Remischancen gehabt. Mit den Türmen auf dem Brett war es jedoch mindestens schwierig und letztendlich verloren. In der Nachmittagsrunde gabe es vier Spieler mit 2,5 Punkten und endete 2:0 für Böblingen es gewannen Narr und Seitz, die Leidtragenden waren Wartlick und Gotfried.

Montag

Wieder wurden alle 5 Partien im Masters entschieden: Hinreise war verhindert, also -+ für von Hauff. Dazu ein technischer Hinweis: eine Spielverlegung wäre wegen der strengen Vorgaben der FIDE bei Normenturnieren nicht möglich gewesen. Bei Korneev - Ramirez gab es einen Zug, nach dem es 0,0 steht und ein anderer mit +2. Da ließ sich der GM nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. IM Das ist ein Phänomen: so ab Zug 20 lebte er vom Inkrement und blieb dabei so gelassen. Sein Gegner hatte deutlich mehr Zeit, kam in Zeitnot, verlor eine Figur und damit auch die Partie. Braun gab gegen Schnepp die Qualle, bekam noch einen Bauern, aber zumindest optisch sah es schwierig zu spielen aus. Nach einem Hauen und Stechen hatte Schwarz zwar einen Springer, aber Weiß ein paar gefährlich Freibauern. Irgendwann waren zwar die Bauern und der Springer am Damenflügel verschwunden, aber Weiß hatte den letzten schwarzen Mohikaner eingesammelt und gewann das Turmendspiel mit den verbunden Freibauern zügig.

Damit steht - in der Reihenfolge der Feinwertung - das Quartett Ramirez Marin, Das, Korneev und Braun bei 3,5 Punkten, gefolgt von Ninov und Hirneise mit je 2,5 Punkten. Es wird also schwer für die beiden Co-Führenden aus den restlichen 4 Partien noch drei Punkte für die Norm zu erzielen, für alle anderen ist sie rechnerisch schon nicht mehr möglich. Von Hauff könnte noch auf 6 Punkte kommen, aber der kampflose Punkt wird für eine Norm natürlich nicht mitgerechnet.

Bei den Kandidaten gab es einen Heißen Kampf zwischen Kottke und Seitz. Schon die in etwa gleich Materialverteilung drei Figuren für zwei Türme ist eher selten und dann hatte Weiß noch eine Leichtfigur aber schwarz gefühlte 6-8 Bauern dafür. Das konnte nicht gut ausgehen. An Brett 2 remisierten Baur und Narr, an 3 konnte Wartlick aufschließen, weil sein Gegner erkrankte.

Damit führt Seitz mit 4,5 aus 5 vor Narr mit 4 gefolgt von Baur und Wartlick 3,5 und einer Achter-Verfolgergruppe mit 3 Punkten.